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Sprechen mit Mund-Nasen-Schutz und Stimmbelastung bei Lehrkräften

Die Initiative „Sprecherziehung im Lehramt“ wandte sich in Kooperation mit der Projektgruppe des Mitteldeutschen Verbandes für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung e. V. mit folgendem Positionspapier an die GEW Sachsen-Anhalt:

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen in der GEW,

wir wenden uns in Sorge um die aktuell deutlich gestiegene stimmliche Belastung von Lehrer/-innen an Sie. Vorausschicken möchten wir, dass wir das Tragen eines medizinischen Mundschutzes im schulischen Kontext unter den gegebenen Bedingungen selbstverständlich als unabdingbar erachten. Wir sind uns bewusst, dass die Hygieneregeln Angehörige vieler Berufsgruppen vor Herausforderungen stellen und sie deutlich belasten. Lehrer/-innen und Schüler/-innen bilden da keine Ausnahme. Die Besonderheit bei Lehrkräften besteht jedoch darin, dass ihre Stimmen ohnehin einer außergewöhnlichen Belastung unterliegen, sprechen sie doch über viele Jahre täglich mehrere Stunden – oft im Kraftstimmbereich – unter häufig ungünstigen akustischen Bedingungen (Raumverhältnisse, Lärmbelastung) und permanenter psychischer Belastung (hohes Konfliktpotential).  

Unterstützt durch Aussagen führender Phoniater (wie Prof. Dr. Tadeus Nawka, Charité Berlin), möchten wir auf folgende Aspekte hinweisen:  

  • die Maske erhöht den Atemwiderstand, der verlangsamte Einatemstrom führt zu geringerem Atemvolumen, es steht weniger Luft für das Sprechen zur Verfügung, was als Kurzatmigkeit wahrgenommen wird;
  • die Maske dämpft den Schall, als Kompensation wird intuitiv lauter gesprochen, was zu einer Mehrbelastung des Kehlkopfs führt;
  • die Bänder der Maske ziehen die Ohren nach vorn, die daraus resultierende reflektorische Anspannung der Muskulatur wird als Stress wahrgenommen und kann zu Kopfschmerzen führen;
  • das Mundbild kann nicht mit dem gesprochenen Wort verbunden werden, das Verstehen wird zusätzlich erschwert.

Uns erreichten verschiedene Anfragen und Nachrichten, die auf kontraproduktive Regelungen in einzelnen Schulen hinweisen. Daher bitten wir Sie, unsere Hinweise sowie die folgenden Vorschläge an Ihre Kolleginnen und Kollegen im Schuldienst sowie an Direktorinnen und Direktoren weiterzugeben. Die Empfehlungen können dazu beitragen, Bedingungen sowohl für Schüler/-innen als auch für Lehrer/-innen zu optimieren:

  • wenn möglich OP-Masken tragen (sie bieten bei richtiger Anwendung einen besseren Schutz als eine z.B. schief getragene, geschlitzte oder gelüftete FFP2-Maske);
  • langsamer und präzise sprechen;
  • das Verstehen durch sinnunterstützende Sprechgestaltung fördern, z. B. Stimmklang, Lautheit, Tempo, Melodie variieren;
  • unterstützende Gestik einsetzen, um eine möglichst große Präsenz zu erreichen;
  • zwischen den Sprechabschnitten Atempausen einlegen, länger und damit mehr Luft einatmen;
  • Spannung der Maske korrekt regulieren (etwa durch einen zusätzlichen Steg hinter dem Kopf);
  • auch im Unterricht ausreichend trinken;
  • Sprechzeiten reduzieren, häufiger lüften, dabei ohne Maske tief atmen;
  • sehr wichtig: vor Unterrichtsbeginn die Stimme erwärmen.

Seien Sie versichert, wir sind uns der vielschichtigen Herausforderungen, denen Schule derzeit ausgesetzt ist, sehr bewusst. Wir erinnern jedoch: Lehren heißt Sprechen, ohne Stimme ist Sprechen nicht möglich.

 

Initiative Sprecherziehung im Lehramt und
Projektgruppe des Mitteldeutschen Verbandes für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung e. V.

 

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