12_gew.png  

 



mitglied werden

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7

Warnstreik in Halle

Demonstration übte Druck auf die Verantwortlichen aus

Die GEW Sachsen-Anhalt hat am Mittwoch, dem 10. November 2021 in Halle am Steintor-Varieté einen Warnstreik für die Tarifbeschäftigten im Geltungsbereich TV-L und TV Prakt-L durchgeführt. Ver.di und die GdP haben sich dem Aufruf angeschlossen. An der Demonstration beteiligten sich ca. 800 Lehrerinnen und Lehrer sowie Tarifbeschäftigte der MLU Halle-Wittenberg und der Hochschule Merseburg. Lautstark forderten sie auf der Kundgebung eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie mehr Gehalt ein: Eine Gehaltssteigerung von fünf Prozent, mindestens jedoch 150 Euro sind die Forderungen an die Arbeitgeber. Nach Informationen des Landesschulamtes folgten dem Streikaufruf Beschäftigte aus 400 Schulen des südlichen Sachsen-Anhalts.

Durch das Programm leitete Jens Wiedemann, stellvertretender Vorsitzender des GEW Stadtverbandes Halle. Weitere Redner*innen waren Sven Wolters, Vertreter der GdP, Juliane Küritz von ver.di, Christian Müller, Gewerkschaftssekretär der GEW Sachsen-Anhalt, sowie Lukas Wanke, Koordinator des Bündnisses #MLUnterfinanziert, und Dany Hambach, Vorstandsleiterin des Bereichs Tarif- und Beamtenpolitik der GEW Sachsen-Anhalt. Für kurzweilige Unterhaltung sorgte der Schauspieler und Kabarettist Jonas Schütte.

Nach der Begrüßung von Jens Wiedemann sprach Eva Gerth, die Vorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt:
„Die vergangenen Monate in den Schulen und im öffentlichen Dient waren hart. Wir haben eine Pandemie erlebt, bei der man sich immer fragte, ob die Arbeitgeber oder Dienstherrn den Gesundheitsschutz der Beschäftigten im Blick hatten. Die Kolleginnen und Kollegen waren mit viel zusätzlicher Arbeit konfrontiert: Die (digitalen) Herausforderungen des Distanzunterrichts, das Bereitstellen von Aufgaben und das ständige Überarbeiten der Dienstpläne und Erklärungen für Eltern und Schüler*innen – all das haben die Lehrkräfte weggetragen und die Belastungen für die Kolleginnen und Kollegen wurden immer mehr,“ so Eva Gerth.

Eva Gerth fordert in ihrer Rede bessere Arbeitsbedingungen für die Tarifbeschäftigten.

Arbeitszeituntersuchungen zeigen, dass Lehrkräfte schon immer am Limit arbeiten, viele Kolleg*innen können ihre Mehrstunden schon gar nicht mehr zählen. Und deshalb fordert die GEW bei der Länder-Tarifrunde ein, was die Lehrerinnen und Lehrer verdienen: fünf Prozent und mindestens 150 Euro. Uns geht es um eine allgemeine Lohnerhöhung für rund 1,2 Millionen Beschäftigte im Landesdienst: „Fünf Prozent sind fair, weil die Beschäftigten die Schulen und Hochschulen, in der Krise die Einrichtungen am Laufen gehalten haben, digital und in Präsenz. Fünf Prozent sind nötig, weil die Lebenshaltungskosten stark ansteigen. Nach Aussagen des Statistischen Landesamtes betrug die Inflation im Oktober 4,1 Prozent. Ich finde, da sind wir mit fünf Prozent eher noch bescheiden. Und fünf Prozent sind sinnvoll, weil die Lohnpolitik der Krise nicht hinterhersparen darf und der Öffentliche Dienst ein Vorbild für faire Bezahlung sein muss,“ sagte Eva Gerth auf der Bühne und erhielt große Zustimmung aus dem Publikum.

Weiterhin fordern wir eine stufengleiche Höhergruppierung. Wenn Beschäftigte neue, verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen, können sie in eine höhere, besser bezahlte Entgeltgruppe gelangen. Doch aufgrund der geltenden Tarifregelungen kann eine solche Höhergruppierung in eine niedrigere Erfahrungsstufe führen. Zwar gibt es einen Garantiebetrag, aber der Garantiebetrag entfällt mit dem nächsten Stufenaufstieg. So könnten Beschäftigte tatsächlich bei höherwertigen Aufgaben über viele Jahre weniger verdienen als bei einem Verbleib in ihrer bisherigen Entgeltgruppe.

Grundschullehrkräfte demonstrieren u.a. für die Eingruppierung in E13.

„Damit sich neue Aufgaben immer lohnen, benötigen wir die stufengleiche Höhergruppierung. Überall sonst im Tarifrecht ist die stufengleiche Höhergruppierung durchgesetzt, nur in den Ländern zicken die Arbeitgeber,“ schimpft Eva Gerth über die absurden Zustände. Und natürlich muss diese Höhergruppierung auch für Grundschullehrkräfte gelten, die endlich die Eingruppierung in die E13 verdient haben, deshalb fordert die GEW eine vollständige Paralleltabelle. Zentrale Forderung ist jedoch, dass wir Dauerstellen für Dauerstellen für Daueraufgaben in Lehre, Forschung und Wissenschaft erhalten!

Und auch studentische Beschäftigte und wissenschaftliche Hilfskräfte an den Hochschulen haben es schwer: Sie üben unverzichtbare Tätigkeiten aus, sie unterstützen die Lehre, halten die Bibliotheken am Laufen und wirken an Forschungsprojekten mit. Ihre Arbeitsbedingungen sind jedoch nicht tarifvertraglich geregelt, sondern werden von den Hochschulen einseitig diktiert: „Im öffentlichen Dienst der Länder in Deutschland gibt es Beschäftigte, bei denen der Arbeitgeber mehr oder weniger nach Gutsherrenart über Länge der Arbeitszeit und Bezahlung verfügt. Und wenn man die Forderung ausmacht, bekommt die Antwort, dass sich mit einem Mindestlohn von 12 Euro dieses Problem wohl erledigt hätte. Wir wollen uns das nicht gefallen lassen,“ rief Eva Gerth von der Bühne.

Ver.di, die GdP und die Hochschulgruppe Halle beteiligten sich ebenfalls am Warnstreik.

Nicht zuletzt sollen natürlich auch die Beamtinnen und Beamten von unseren Forderungen profitieren. Im Moment dürfen sie noch nicht streiken, allerdings klagt die GEW derzeit vor dem Europäischen Gerichtshof für das Streikrecht von Beamt*innen. Und bis das so weit ist, erwarten wir die zeit- und wirkungsgleiche Übertragung des Verhandlungsergebnisses auf die Besoldung. Daher rufen wir weiterhin auf, dass sich auch die Beamt*innen an Kundgebungen beteiligen, sich bei Online-Kampagnen einbringen oder Mitglieder einwerben. „Letztendlich sitzen wir im gleichen Boot in den Schulen, arbeiten eng zusammen, leiden unter dem Druck der Arbeitszeit und dem Lehrkräftemangel. Es geht nicht anders, als solidarisch zu sein“, schließt Eva Gerth ihre Rede und erhält lautstarke Unterstützung der Streikenden.

Ergänzend zu unserer Kundgebung am Steintor, veranstaltete das Bündnis #MLUnterfinanziert eine Protestaktion auf dem Uniplatz. Dort kämpfte das Bündnis gemeinsam mit Studierenden, Hochschulangestellten, Gewerkschaften und politischen Hochschulgruppen gegen die geplanten Einsparungen an der MLU Halle.

Nun müssen wir schauen, ob die Arbeitgeber und die TdL ein Stück auf uns zugehen, wenn das nicht der Fall sein sollte, werden wir weitere Warnstreiks durchführen.

Ca. 800 Beschäftigte unterstützten die GEW bei ihrem Warnstreik.

 

Die GEW Sachsen-Anhalt dankt allen Teilnehmenden und Organisatoren ganz herzlich für ihr Engagement!

Don't have an account yet? Register Now!

Sign in to your account