12_gew.png  

 



mitglied_werden (2).png

Weitere Öffnung der Kindertageseinrichtungen und Horte

Schutz der Gesundheit muss Priorität haben! Sorgfalt geht vor Schnelligkeit!

Der angekündigte Übergang von der Notbetreuung in Kindertageseinrichtungen und Horten Sachsen-Anhalts zu einer schrittweisen Öffnung in den Regelbetrieb muss mit Sorgfalt und Umsicht erfolgen. Die GEW Sachsen-Anhalt erkennt die wachsenden sozialen und familiären Probleme als Folge der seit Wochen andauernden Kontaktbeschränkungen. Die Ansprüche und Erwartungen an eine weitere Öffnung der Tageseinrichtungen und Horte sind nachvollziehbar, können aber nicht alleiniger Maßstab für Entscheidungen sein.

Eine vollständige Erfüllung aller Bedarfe kann es nach Auffassung der GEW Sachsen-Anhalt derzeit noch nicht geben. Jede weitere Öffnung der Kindertageseinrichtungen muss sich am aktuellen Infektionsgeschehen und den damit einhergehenden Gesundheitsrisiken orientieren.

Beim Übergang in den Regelbetrieb müssen die organisatorischen und pädagogischen Abläufe in den Einrichtungen den notwendigen besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen sowie dem Arbeits- und Gesundheitsschutz nochmals angepasst werden. Aus Sicht der GEW muss auch weiterhin der Kita-Alltag so organisiert werden können, dass Kontakte der Kinder untereinander sowie zwischen Kindern und Erwachsenen jeweils nach dem Grundsatz „so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich“ erfolgen. Das erfordert individuelle Konzepte, die durch die Einrichtungsträger in enger Zusammenarbeit mit den betrieblichen Interessenvertretungen, der Elternschaft und den zuständigen Jugend- und Gesundheitsämtern entwickelt werden müssen. Dazu bedarf es weiterer Vorbereitungszeiten. Hier geht Sorgfalt vor Schnelligkeit.

Allgemeine Organisation der Kita-Arbeit

Grundlage für die Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen und Horten sind die jeweils aktuellen Vorgaben des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt, die auf der Grundlage der Verordnung über Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Sachsen-Anhalt erlassen werden.

Die GEW Sachsen-Anhalt weist darauf hin, dass die dort vorgesehenen Gruppengrößen (Betreuungssettings) von 12 Kindern im Kindergartenalter, 6 Kindern im Krippenalter und bis zu 15 Kindern im Schulalter im Wesentlichen dem Betreuungsschlüssel des Kinderförderungsgesetzes entsprechen. Das kann aber nicht heißen, dass es sich bei dieser Reglung um eine Erzieher-Kind-Relation handelt. Es muss klargestellt werden, dass es hierbei um eine Höchstgrenze der Zuordnung von Beschäftigten, die miteinander arbeiten, zu den Kindern, mit denen sie arbeiten, (Betreuungssetting) geht. Diese festen Betreuungsgruppen erfordern unter den gegenwärtigen Bedingungen einen deutlich höheren Personaleinsatz u.a. auch deshalb, weil eine Bildung von Auffanggruppen in den Randzeiten nicht möglich ist und ein Austausch von Personal zwischen unterschiedlichen Betreuungssettings aus Infektionsschutzgründen vermieden werden sollte. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass die Durchsetzung von besonderen Hygiene- und Abstandsregelungen bei gleichzeitiger Umsetzung einer zuwendungsorientierten pädagogischen Arbeit den parallelen Einsatz von mindestens zwei Erzieher*innen in einem Betreuungssetting erfordert.

Die vorgegebenen Höchstzahlen von Kindern in einem Betreuungssetting hängen entscheidend von den räumlichen Bedingungen in den Tageseinrichtungen ab. Insofern muss es den Trägern erlaubt sein, die Stärke der Betreuungsgruppen den örtlichen Bedingungen anzupassen.

In den Horten macht die Betreuung in festen Betreuungsgruppen aus Infektionsschutzgründen nur Sinn, wenn diese Gruppen mit den Lerngruppen der Schule identisch sind. Die Absprachen zwischen den Trägern der Horte und den jeweiligen Grundschulen sind Voraussetzung für eine dem Infektionsrisiko angemessene Betreuungsstruktur. Die GEW Sachsen-Anhalt weist darauf hin, dass insbesondere in den Horten aufgrund des gesetzlichen Mindestpersonalschlüssels die personellen Ressourcen noch einmal deutlich von den anderen Altersbereichen abweichen.

Grundsätzlich ist auch davon auszugehen, dass bei einem fortgesetzten Schutz von Beschäftigten, die mit massiven Folgen einer Infektion rechnen müssen (Risikogruppen), die Personalressourcen per se dezimiert werden.

Unter Berücksichtigung der nach wie vor bestehenden gesundheitlichen Risiken, denen Kinder und Beschäftigte ausgesetzt sind, müssen sich einrichtungsbezogene Lösungen unbedingt an den verfügbaren Personalressourcen orientieren.    

Schutzkonzepte und Hygienepläne

Bei der Arbeit mit kleinen Kindern können die in der aktuellen Situation im Allgemeinen angestrebten Maßnahmen zum Infektionsschutz, wie beispielweise Abstandswahrung und regelmäßiges Händewaschen, nicht oder nur eingeschränkt eingehalten werden. Aus diesem Grund ist der Gesundheitsschutz für die Beschäftigten in den Kindertageseinrichtungen besonders ernst zu nehmen. Es bedarf eines Hygieneplanes, der nach zentralen vom Land vorgegebenen Standards durch die Träger einrichtungsbezogen umzusetzen ist. Dazu gehören Maßnahmen zur Bereitstellung von ausreichend Schutzmitteln und Schutzmaterialien für das Personal sowie standardisierte Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen innerhalb der Einrichtung. Maßnahmen zur Minimierung der Kontakte des Personals untereinander sollten genauso in einen Hygieneplan integriert werden, wie Regelungen zum Betreten der Kindertageseinrichtungen durch Betriebsfremde und Regelungen zum Umgang mit Kindern und Beschäftigten, die Symptome von Erkältungskrankheiten zeigen. Die Einrichtungsträger müssen auf der Grundlage des Arbeitsschutzgesetzes die Personal- und Betriebsräte in die Planung und Umsetzung der Maßnahmen einbeziehen und ein hohes Maß an Transparenz sicherstellen. In diesen Prozess sind auch die Elternvertretungen einzubeziehen. Auf der Grundlage der allgemeinen gesetzlichen Regelungen und der pandemiebedingten Sonderregelungen müssen träger- bzw. einrichtungsbezogene Betreuungskonzepte entwickelt und der aktuellen Infektionsgefährdung angepasst werden. Die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe und die Gesundheitsämter sollen die Einrichtungsträger dabei beraten und unterstützen.

Schutz von Risikogruppen und Verbesserung des Versicherungsschutzes

Die GEW Sachsen-Anhalt fordert von den Einrichtungsträgern, dass Beschäftigte, die durch Vorerkrankungen mit schwerwiegenden Folgen einer Infektion rechnen müssen, in besonderer Weise geschützt werden. Im Rahmen der Sicherung des Arbeitsschutzes sind die Arbeitgeber verpflichtet, Regelungen darüber zu treffen, welcher Personenkreis aufgrund persönlicher Risiken zurzeit nicht für die Arbeit mit Kindern eingesetzt werden kann. Diese Regelungen müssen Bestandteil der vom Land entwickelten Hygienestandards sein und als solche in jeden Hygieneplan der Einrichtungsträger verpflichtend aufgenommen werden. Darüber hinaus ist mit den Personal- und Betriebsräten zu vereinbaren, welche Aufgaben den betroffenen Beschäftigten übertragen werden können.

Des Weiteren fordert die GEW Sachsen-Anhalt, mögliche Folgen einer Erkrankung an Covid‑19 als Berufskrankheit anzuerkennen. Das Risiko einer Berufsunfähigkeit muss wie für Beschäftigte im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege als Versicherungsfall der Unfallversicherung gelten.

Die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe und die Einrichtungsträger sind verpflichtet ein hohes Maß an Sicherheit in den Einrichtungen zu gewährleisten und die Beschäftigten mit ihren berechtigten Forderungen nach dem Schutz der eigenen Gesundheit und der ihnen anvertrauten Kinder nicht alleinzulassen.

Arbeits- und Tarifrecht

Die GEW fordert alle Arbeitgeber auf, ihre arbeitsvertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Beschäftigten und die bestehenden tarifvertraglichen Regelungen einzuhalten. Die mit der Einführung der Notbetreuung in den vergangenen Wochen einhergehende Verunsicherung von Beschäftigten durch einige Arbeitgeber ist kontraproduktiv. Versuche, den eingeschränkten Betrieb zu nutzen, um arbeitsvertragliche Vereinbarungen zu ändern und tarifvertragliche bzw. gesetzliche Regelungen zu umgehen, werden auch zukünftig durch die GEW mit allen Mitteln bekämpft.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Aufrechterhaltung der Kindertagesbetreuung entscheidend dazu beiträgt, den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu erhalten, sind die Arbeitgeber aufgefordert, die ohnehin schwierige Lage nicht weiter durch die Verunsicherung der Beschäftigten zu belasten. Stattdessen sollte alles unternommen werden, die Erzieherinnen und Erzieher in wertschätzender Weise zu motivieren und ihr hohes Engagement anzuerkennen. Die GEW Sachsen-Anhalt erwartet von allen Trägern, gemeinsam mit den betrieblichen Interessenvertretungen und den Gewerkschaften für gute und sichere Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen zu sorgen und alles dafür zu tun, dass auch unter den besonderen Bedingungen der Corona-Pandemie ein motivierendes Arbeitsklima erhalten bleibt.

Drucken E-Mail

Don't have an account yet? Register Now!

Sign in to your account