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Alarmstufe Rot in Sachsen-Anhalts Kitas

Fachkräfte, Träger und Eltern in Sorge

In Sachsen-Anhalts Kindertagesstätten brennt es sprichwörtlich lichterloh. Für das kommende Kita-Jahr wird erwartet, dass aufgrund der (lange absehbaren) demografischen Entwicklungen und kurzfristigen Spätfolgen der Pandemie (weniger Geburten) nach diesem Sommer weniger Kinder betreut werden. Die daraus resultierende Unsicherheit trifft vor allem Erzieher*innen unerwartet und hart:

Während der Pandemie waren sie es, die durch Notbetreuung unter Einsatz ihrer eigenen Gesundheit „den Laden am Laufen“ hielten. Viele Kolleg*innen müssen nun mit erheblichen finanziellen Einbußen rechnen. Die weit verbreiteten „Flexi- Arbeitsverträge“ lassen zu, dass Arbeitgeber*innen ihr Personal künftig nur zu den rechtlich möglichen Mindestwochenstunden beschäftigen. Viele Beschäftigte berichten uns, dass dieses Vorgehen schon angekündet wurde. Noch bedrohlicher sind betriebsbedingte Kündigungen, die bei Betrachtung der zu erwartenden Kinderzahlen im Verhältnis zum Personalbestand für viele Träger als nicht vermeidbar erscheinen.

Aber auch Eltern werden von diesen Entwicklungen stark betroffen sein. Schon jetzt kämpfen Kitas mit hohen Krankenständen und der fehlenden Berücksichtigung von Krankheits-, Urlaubs-, Fort- und Weiterbildungszeiten im Kinderförderungsgesetz (KiFöG). Die Folge: Elternfreundliche Öffnungszeiten können möglicherweise künftig nicht mehr garantiert werden und es drohen Schließtage, wenn das Personal schlicht nicht ausreicht, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Die Qualität der Betreuung leidet ohnehin schon erheblich unter den aktuellen Bedingungen. Seit vielen Jahren thematisiert die GEW das Fehlen von mittelbarer pädagogischer Arbeit (zur Vor- und Nachbereitung, Elterngespräche, Dokumentation usw.) und adäquaten Freistellungen für Leitungskräfte, um die notwendige Qualität in der frühkindlichen Bildung sicherzustellen. Die derzeitigen Verhältnisse sind nicht nur untragbar, sondern gefährden die gesamte pädagogische Arbeit.

Aus Sicht der GEW reden wir hier letztlich von der Qualität der Bildung in Sachsen-Anhalt. Die frühen Bildungsjahre sind entscheidend für die Entwicklung von Kindern und daher ist eine ausreichende und qualitativ hochwertige Betreuung unerlässlich. Doch unter den derzeitigen Bedingungen ist die Umsetzung des Bildungsprogramms durch unsere Kolleg*innen nur schwer zu gewährleisten. Dies führt zwangsläufig zu einer Verschlechterung der Betreuungsqualität und der Chancengleichheit für Kinder in Sachsen-Anhalt. Für Erzieher*innen gehören Stress, Unzufriedenheit und Burn out inzwischen fest zum beruflichen Alltag. Die Lösungsvorschläge einiger Kommunen (etwa der Anspruch auf einen Gehörschutz) können wir nur zynisch werten: Es bedarf endlich einer verbindlichen und bedarfsgerechten Fachkraft-Kind-Relation, so könnten die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten nachhaltig verbessert werden! Dafür wollen wir kämpfen.

Angesichts der dramatischen Situation haben sich in Magdeburg Träger von Einrichtungen der Kindestagesbetreuung sowie die Gewerkschaften GEW und ver.di zu einem Bündnis zusammengeschlossen. Gemeinsam planen wir am 20.09.2024 einen Kita-Aktionstag auf dem Magdeburger Domplatz. Wir appellieren eindringlich an alle Beschäftigten: Zeigt Präsenz, erhebt eure Stimmen und fordert vor dem Landtag Verbesserungen eurer Arbeitsbedingungen!

Die Notlage in Sachsen-Anhalts Kitas muss beendet werden. Lasst uns gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen, damit unsere Kinder die Betreuung und Bildung erhalten, die sie verdienen. Erzieher*innen brauchen endlich die Anerkennung und Unterstützung, die ihnen gemäß der Bedeutung ihrer Tätigkeit zusteht.

Beteiligt euch am Kita-Aktionstag am 20.09.2024 zwischen 11:00 und 13:30 Uhr auf dem Magdeburger Domplatz!

Kontakt
Carsten Sievers
Gewerkschaftssekretär für Jugendhilfe und Soziale Arbeit
Adresse Markgrafenstraße 6
39114 Magdeburg
Telefon:  0391 735 54 41
Mobil:  0151 70610602