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GEW-Mitglieder im Fokus

Cornelia Grabski: „Hineingeborene“ setzt längst eigene Akzente

Cornelia Grabski ist ihrer Mutter sowohl in den Lehrerberuf als auch in das Engagement für die GEW gefolgt. Was die heute 52-Jährige, die an einer Halberstädter Förderschule unterrichtet und im Bezirkspersonalrat Magdeburg mitwirkt, am meisten umtreibt.

Gewissermaßen „hineingeboren“ sei sie – sowohl in den Pädagogenberuf als auch in das gewerkschaftliche Engagement –, sagt Cornelia Grabski, die an der Förderschule „Reinhard Lakomy“ in Halberstadt unterrichtet sowie im GEW-Kreisvorstand Harz und (an zwei Tagen der Woche) im Lehrerbezirkspersonalrat Magdeburg mitwirkt. Neben ihrem Opa, einem Neulehrer, der die später von ihr besuchte Magdeburger Schule nach dem zweiten Weltkrieg mit eigenen Händen aufzubauen half, und ihrem an der Uni tätigen Vater sei insbesondere ihre Mutter für den Weg in den Beruf und wie auch in das Ehrenamt prägend gewesen. „Ich bin ein Lehrerkind“, sagt die gebürtige Magdeburgerin, die 1988 am damaligen Institut für Lehrerbildung (IfL) in Staßfurt ein Fachschulstudium zur „Lehrerin für die unteren Klassen“ aufnahm, welches sie unter den neuen Bedingungen nach der Wende weiterführte und letztlich mit einem Hochschulabschluss beendete. Exakt in jener Zeit trat sie auch in die GEW ein – ein Schritt, den ihre Mutter (die übrigens einige Zeit lang ebenfalls im Bezirkspersonalrat aktiv war) bereits zwei Jahre zuvor getan hatte. „Ich habe gesehen, dass es wichtig ist, die eigenen Rechte zu kennen, für seine Belange einzutreten, Verbesserungen zu erreichen“, betont die heute 52-Jährige, die längst ganz eigene Akzente setzt.

Das gilt zum einen im Lehrerberuf, wo sie der Weg eben nicht an eine Grund-, sondern vielmehr an eine Förderschule führte. „Das stand für mich schon bald nach Studienbeginn fest. Ich fand diese sehr spezifische Schulform immer interessant – zumal eine meiner Cousinen seinerzeit selbst auf die sogenannte Hilfsschule gegangen ist.“ An der Halberstädter „Reinhard-Lakomy-Schule“ trat sie nach dem Referendariat 1997 ihre erste Stelle an. „Ich bin hier kleben geblieben“, meint Cornelia Grabski schmunzelnd. Heute ist sie an der Einrichtung in der Berufsschulstufe für die älteren Schüler bis 18 Jahre tätig. „Es ist die Phase, die die Heranwachsenden ganz unmittelbar auf das Leben nach der Schule vorbereitet – unabhängig davon, ob es sie beruflich in eine Behindertenwerkstatt oder doch in den ersten Arbeitsmarkt führt“, erläutert die Pädagogin. Ganz wesentlich ginge es auch um das Erlernen von Alltagskompetenzen, wofür unter anderem eine Lehrküche und eine „Trainingswohnung“ zur Verfügung stehen. „Wir thematisieren da Dinge wie Miete, Saubermachen oder Tierhaltung, üben mittels Taschengeldheft den Umgang mit Geld.“

In der GEW ist Cornelia Grabski übrigens, obwohl sie verbeamtet ist (und beispielsweise nicht streiken darf). „Ich stelle immer wieder fest, dass viele Kollegen gar nicht um die Möglichkeit wissen, als Beamter in der Gewerkschaft zu sein. Doch was die rechtlichen Grundlagen unseres Tuns sind, wie wir zu besseren Arbeitsbedingungen gelangen – das geht uns doch alle an“, findet die Pädagogin, die sich an ihrem gewerkschaftlichen Engagement auch persönlich gewachsen sieht: „Früher habe ich unliebsame Dinge auch mal vor mir hergeschoben. Heute erlebe ich mich als jemand, der auf eine zügige Klärung und Problemlösung hinarbeitet und dabei Konflikten nicht aus dem Weg geht.“

Neben der Vielzahl an konkreten Einzelfällen hinsichtlich Einstufung und Eingruppierung, Versetzung oder etwaiger Abmahnung, mit denen die in der aktuellen Legislaturperiode über die GEW-Wahlliste in den Lehrerbezirkspersonalrat eingezogene Cornelia Grabski ebendort befasst ist, sind es natürlich die „Dauerbrenner“-Themen, die die Gewerkschafterin umtreiben – ein auf Gelingen und Nachhaltigkeit abzielender Umgang mit den pädagogischen Seiteneinsteigern etwa: „Hier bei uns an der Schule hat deren Integration ganz gut geklappt. Doch wenn ich spitzkriege, wie viele Probleme es diesbezüglich generell gibt, muss man schon fragen, ob da nicht grundsätzlich ein Fehler im System vorliegt, und auf Abhilfe drängen“, findet sie. Die Heraufsetzung der Altersgrenze für eine etwaige Reduzierung des Stundenpensums („Ein vergiftetes Signal“) und die unselige Vorgriffstunde („Das, was das Belastungsfass zum Überlaufen bringt“) bleiben ihr sowieso ein Dorn im Auge und halten sie weiter kämpferisch – zumal die (wenigen) Erfolge ja auch neue Motivation geben: „Dass wir nach langem Ringen eine Angleichung und somit Entgeltgruppe 13 für Sachsen-Anhalts Grundschullehrer durchsetzen konnten, macht mich stolz: Da haben wir richtig etwas geschafft“, unterstreicht die Mutter zweier Söhne, die ihre Batterien beim Werkeln in dem von der Familie bewohnten Halbestädter Fachwerkhäuschen sowie bei ausgedehnten Gassi-Runden mit ihren zwei Hunden auflädt.

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