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GEW-Mitglieder im Fokus

Tobias Piesker: „Ich wachse gern an meinen Aufgaben“

Obwohl er der GEW erst seit 2022 angehört, hat Tobias Piesker im Vorjahr das verantwortungsvolle Amt des GEW-Kreisvorsitzenden in Magdeburg übernommen. Was den jungen Grundschullehrer antreibt und auf welche Weise er sich den Herausforderungen stellt.

Seit 2021 im Lehrerberuf tätig, seit 2022 GEW-Mitglied – und seit Frühjahr 2023 Vorsitzender des mehr als 1.000 Mitglieder zählenden GEW-Kreisverbandes Magdeburg: Tobias Piesker hat, wenn man in diesen Kategorien denken will, eine erstaunliche, um nicht zu sagen: eine Blitz-„Karriere“ hingelegt. Doch wenn man  dem jungen Mann, der im April sein 30. Wiegenfest feiert, im Gespräch begegnet, bekommt man mitnichten den Eindruck von jemandem, der sich selbst für einen „Überflieger“ hält, sondern erlebt vielmehr einen Menschen, der mit einer sympathischen Mischung aus Demut und Respekt einerseits sowie gesundem Selbstbewusstsein andererseits Schritt um Schritt dabei ist, in die neue Rolle hineinzuwachsen.

„Als in Sachen GEW bis dato so gut wie unbeschriebenes Blatt würde ich auch jeden Zweifler verstehen, denn die Fußstapfen, die der langjährige Kreisvorsitzende Dirk Schumeier hier hinterlassen hat, sind in der Tat groß. Andererseits weiß ich es zu schätzen, wenn – und dass! – man mir ohne Vorbehalte gegenübertritt“, sagt der Magdeburger und beschreibt mit letzterem ein gutes Stück seine eigene Herangehensweise bei dem nicht von der Hand zu weisenden Spagat, den Kreisverband und überhaupt gewerkschaftliches Engagement für Jüngere attraktiver zu machen, ohne durch die dafür erforderliche „Frischzellenkur“ (Stichwort: digitaleres Agieren) die alteingesessenen Mitglieder zu verprellen.

„Ich selbst kann vorurteilsbeladenes, stigmatisierendes Denken überhaupt nicht leiden, versuche daher, so offen wie nur möglich für unterschiedliche Betrachtungswinkel und Meinungen  zu sein“, sagt Tobias Piesker, der sehr glaubhaft versichert, von seiner „zugegebenermaßen zeitaufwendigen, mitunter anstrengenden oder gar frustrierenden Gewerkschaftsarbeit auch sehr zu profitieren“ – in Sachen persönliches Wachstum nämlich: „Ich bin jeden Tag mit Gewerkschaftsmitgliedern im Gespräch, erfahre Neues, lerne etwas aus den bereits von anderen gemachten Erfahrungen. Und wenn etwas einmal nicht oder zumindest nicht gleich nach meinen eigenen beziehungsweise meiner Mitstreiter Vorstellungen funktionieren sollte, gehört auch das dazu. Die größten Lerneffekte und Erfahrungswerte entstehen letzten Endes doch aus dem Nichtgelingen, ja, Scheitern – und eben nicht unbedingt aus dem Erfolg.“

Tobias Piesker weist zudem auf einen interessanten Teilaspekt und „Nebeneffekt“ seiner ehrenamtlichen Arbeit hin: Anders als in seinem „Brotjob“ als Deutsch-, Mathe-, Sachkunde- sowie Englischlehrer im Kollegium der Magdeburger Grundschule „Am Grenzweg“ bekommt er es als Gewerkschafter und Kreisvorsitzender mit zahlreichen unterschiedlichen Altersgruppen zu tun. „Ich möchte gern Schnittstelle wie Bindeglied der Generationen sein, aber auch gezielt altersspezifische Angebote für Themen und Veranstaltungen machen“, so der junge Mann, der über einen kleinen „Umweg“ in den Lehrerberuf fand, den er nach eigenem Bekunden tatsächlich auch als eine Berufung versteht.

„Als Heranwachsender hatte ich so einige Ideen. Selbst leidenschaftlicher Hundebesitzer, stellte ich mir beispielsweise eine Tätigkeit in der Drogenspürhunde-Staffel beim Zoll ganz toll vor. Letztlich nahm ich erst einmal eine Ausbildung zum Pharmazeutisch-technischen Assistenten auf, merkte aber schon nach einem halben Jahr, dass das doch nicht so ganz meins ist“, schildert Tobias Piesker, der über das Freiwillige Soziale Jahr in einer Kita zu seinem neuen beruflichen Plan fand – der interessanterweise gleichermaßen mit dem Job seiner Mutter zu tun hatte wie er sich ein Stück von ebenjenem entfernte. „Meine Mutter ist Lehrerin an einer Berufsbildenden Schule. Während sie also gewissermaßen die ganz Großen unterrichtet, will ich stattdessen die ganz Kleinen in den ersten Jahren ihres Schüler-Daseins begleiten: Ich finde es spannend, diese ,Rohdiamanten‘ ein gutes Stück prägen zu können.“

Während er im thüringischen Erfurt studierte, blieb der glühende Lokalpatriot Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt eng verbunden, absolvierte beispielsweise „so ziemlich jedes denkbare Praktikum in der Magdeburger Heimat“, wie er schildert. Während seines Referendariats, das Tobias Piesker bereits an seiner heutigen Wirkungsstätte absolvierte, war Dirk Schumeier, sein Vorgänger im Amt als GEW-Kreischef, einer seiner Hauptbetreuer – und legte ohne Zweifel die Saat für das spätere gewerkschaftliche Engagement des Zöglings. „Mich fasziniert nicht zuletzt dieser solidarische Aspekt: dass man sich gegenseitig unterstützt und hilft in allen die eigenen Belange und den Bildungssektor insgesamt betreffenden Fragen“, erläutert Tobias Piesker und unterstreicht nochmals: „Ich wachse gern an meinen Aufgaben. Alles, womit ich in meinem Tun, auch und nicht zuletzt für die GEW, konfrontiert werde, nehme ich als Erfahrung.“

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