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GEW-Mitglieder im Fokus

Irena Klack: So richtig Power auf die Straße bringen

Die Grundschullehrerin Irena Klack kämpft als Vorsitzende des GEW-Kreisverbandes Dessau und Mitglied im Lehrerhauptpersonalrat mit vielen weiteren Mitstreitern gegen Fehlentwicklungen und Missstände im Bildungsbereich an.

Schnell hat sich der erste Eindruck erhärtet: Irena Klack bringt „so richtig Power auf die Straße“. Das ist angesichts ihrer über kraftvolle 650 Kubikzentimeter Hubraum verfügende Suzuki Gladius, mit der die Dessauerin zweimal wöchentlich die Strecke zwischen ihrem Wohnort und dem Standort des Bildungsministeriums in Sachsen- Anhalts Landeshauptstadt zurücklegt, zunächst einmal ganz wörtlich zu verstehen. Doch wie unser Gespräch mit der inzwischen 53-Jährigen schnell zeigt, trifft die Formulierung gleichermaßen auf ihr Engagement im Magdeburger Hauptpersonalrat wie als ehrenamtliche Vorsitzende des Dessauer GEW-Kreisverbandes mit 350 Mitgliedern zu.

 „Ich nehme mich auch selbst als einen zupackenden Menschen wahr, bin zudem nicht auf den Mund gefallen: Wenn mir etwas nicht passt, sage ich das auch“, lautet Irena Klacks Selbstbeschreibung, die nachgerade ideal dem Anforderungsprofil an eine tatkräftige, durchsetzungsstarke Gewerkschafterin entspricht. Fünf, sechs Jahre, so sagt die Frau, die sich von 1986 bis 1990 am damaligen Institut für Lehrerbildung (IfL) zur – so hieß es einst – „Lehrerin für untere Klassen“ ausbilden ließ, sei sie „ein ganz normales GEW-Mitglied gewesen, einfach, um Bestandteil einer starken Gemeinschaft zu sein“. Doch als 2002 auf einer Mitgliederversammlung des Dessauer Kreisverbandes eine Nachfolge für die in den Ruhestand eintretende bisherige Kreisvorsitzende gesucht wurde, erklärte Irena Klack ihre Bereitschaft, Amt und Aufgabe zu übernehmen – aus „jugendlichem Leichtsinn“, wie sie heute lachend meint.

„Gewerkschaftsarbeit bedeutet für mich vor allem, Wissen zu haben, mir dieses anzueignen – namentlich zu Arbeits-, Personal- und Tarifrecht, um Kollegen beratend zur Seite stehen zu können“, verdeutlicht die gebürtige Ballenstedterin, die sich mit Feuereifer ins Ehrenamt stützte – ungezählte Schulungen an den Wochenenden eingeschlossen. „Irgendwann hatte ich einen solch umfassenden Wissensstock erworben, dass fast automatisch die Frage im Raum stand, ob ich mich nicht auch auf höherer Ebene in Bezirks- oder Hauptpersonalrat einbringen wolle“, so Klack, die zunächst aber ihre beiden Kinder „aus dem Gröbsten raus“ wissen wollte. 2016, der zweitgeborene Sohn war inzwischen 16, wurde sie dann in den Magdeburger Hauptpersonalrat gewählt, wo sie an zwei Tagen der Woche, freigestellt von ihrer Unterrichtsverpflichtung an der Grundschule im Dessauer Stadtteil Ziebigk, in der Fachgruppe Grundschulen wirkt. „Ich finde es ganz wichtig, dem eigenen Arbeitgeber auf die Finger zu sehen, Missstände anzusprechen. Durch meine alltägliche Arbeit an der Basis weiß ich ja, wo die Probleme liegen – um mit Lehrermangel, Umsetzung der Digitalisierung und Unterrichtsversorgung vielleicht mal die drei allerdrängendsten Punkte zu nennen.“ Im Hauptpersonalrat ginge es vor allem darum, auf die vom Bildungsministerium vorgesehenen Gesetze, Erlasse, Dienstvereinbarungen und dergleichen so einzuwirken, dass die Interessen der Beschäftigten bestmöglich gewürdigt werden – was letzten Endes ja auch den von ihnen betreuten Schülern zugutekomme. „Wenn man ordentlich mit den Kolleginnen und Kollegen umgeht, bekommt man auch ordentliche Arbeit“, nennt Irena Klack eine ihrer Grundüberzeugungen.

Einmal vierteljährlich treffen sie und die anderen Hauptpersonalratsmitglieder Bildungsministerin Eva Feußner und/oder deren Staatssekretär Jürgen Böhm im Rahmen eines sogenannten Dienststellengesprächs, um den Anliegen der Pädagoginnen und Pädagogen Nachdruck zu verleihen und auf die Abstellung von Missständen zu drängen. „Das geht manchmal nicht unbedingt ruhig ab“, berichtet Irena Klack, die so viele Dinge ärgern: Dass die Arbeitslast durch immer mehr Verwaltungsarbeit auf ungesunde Weise ausufert und immer weniger Zeit für das eigentliche, inhaltliche Tun bleibt zum Beispiel, die kontraproduktive Vorgriffstunde („Gruselig!“) oder der für sie schwer aushaltbare Umstand, dass man den Lehrkräften zwar nigelnagelneue Dienst- Laptops gestellt habe, aber bis heute und Monate später seitens des Ministeriums noch immer nicht geklärt sei, wer die Geräte denn nun administriere. Tempo und Wumms bei der Digitalisierung? Fehlanzeige! „Und gerade in Sachen Personal bekommen wir heute die Quittung dafür, dass die politischen Entscheider 20 Jahre lang geschlafen, treffender: erkennbar und nachhaltig Sinnvolles einfach nicht gewollt haben“, sagt die Gewerkschafterin.

Irena Klack weiß darum, dass sie und ihre Mitstreiter*innen ein dickes Brett bohren und immer wieder auch auf Granit, auf letztlich unüberwindliche Hindernisse stoßen. „Aber verzagen gilt trotz aller Mühsal nicht: Dass wir die E 13 für die Grundschullehrkräfte durchgeboxt haben und dass es nun endlich eine Dienstvereinbarung gibt mit einer standardisierten und transparenten Verfahrensweise bei Überlastungsanzeigen inklusive verbrieftem Anspruch auf zügige Ergreifung von Maßnahmen zur Abhilfe – das zeigt mir, dass unser Einsatz etwas bewirkt und motiviert mich immer wieder neu.“

Ohnehin ein sprichwörtlicher „Hansdampf in allen Gassen“ (oder sollten wir zeitgemäßer besser sagen: eine Gretedampf?!) – Fitnessstudio, Gospelchor, Reisen mit ihrem Mann sowie die Betreuung des sechsjährigen Enkels füllen die nicht eben üppige freie Zeit aus – kann sich Irena Klack ein Leben ohne ihr Engagement in Personalrat und GEW gar nicht mehr so richtig vorstellen. „Es ist schon auch Stress, aber ich brauche das und will weitermachen, solange es Kraft und Gesundheit hergeben“, sagt sie bestimmt. Man müsse schließlich so richtig Power auf die Straße bringen, gibt sie bei unserer Verabschiedung augenzwinkernd zum Besten – und düst auf ihrer schweren Suzuki-Maschine davon.

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